Die Forschungszulage wird für kleine und mittlere Unternehmen immer attraktiver. Mit einer Förderquote von 35 % für KMU, einer deutlich höheren maximalen Bemessungsgrundlage und der zusätzlichen Berücksichtigung pauschaler Gemein- und Betriebskosten rückt sie näher an klassische Zuschussprogramme wie ZIM heran.
Damit stellt sich eine naheliegende Frage: Macht ein ZIM-Einzelprojekt für ein KMU ab 2026 überhaupt noch Sinn?
Die kurze Antwort lautet: Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Für viele KMU ist die Forschungszulage inzwischen der naheliegendere Standardansatz. ZIM bleibt vor allem dann interessant, wenn die Liquiditätswirkung während der Projektlaufzeit entscheidend ist oder die konkrete Kostenstruktur besser zum ZIM-Modell passt.
Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Dieser Beitrag betrachtet bewusst nur den Spezialfall eines einzelnen KMU mit einem ZIM-Einzelprojekt ohne Forschungseinrichtung oder Kooperationspartner und mit Antragstellung bzw. Projektlaufzeit ab 2026. Für ZIM-Kooperationsprojekte, Forschungseinrichtungen oder besondere Projektkonstellationen kann die Bewertung anders ausfallen. Diese Fälle betrachten wir in einem zweiten Beitrag.
Warum sich der Vergleich ab 2026 weiter verschiebt
ZIM war für KMU lange vor allem deshalb attraktiv, weil es höhere Förderquoten und eine projektbegleitende Zuschusslogik bot. Die Forschungszulage war zwar flexibler, wurde aber finanziell häufig als weniger stark wahrgenommen.
Dieser Abstand ist bereits seit 2024 kleiner geworden. Seitdem beträgt die Förderquote der Forschungszulage für KMU 35 %. ZIM liegt je nach Unternehmensgröße und Standort typischerweise bei 35 % bis 45 %. Der Unterschied bei der reinen Förderquote ist damit für viele KMU nicht mehr entscheidend.
Ab 2026 kommt nun ein weiterer Faktor hinzu: Für neu beginnende FuE-Vorhaben können Gemein- und Betriebskosten in der Forschungszulage pauschal mit 20 % der übrigen förderfähigen Aufwendungen berücksichtigt werden. Damit nähert sich die Forschungszulage auch bei der Kostenbasis stärker an klassische Projektförderprogramme wie ZIM an, bei denen übrige projektbezogene Kosten bereits über die Programmlogik mit abgebildet werden können.
Gleichzeitig bleibt die Forschungszulage deutlich flexibler: Sie kann vor, während oder nach Durchführung eines FuE-Vorhabens beantragt werden. Bei ZIM muss der Antrag dagegen vor bzw. zu Projektbeginn gestellt werden. Ein Projektstart vor Bewilligung ist nach bestätigtem Antragseingang zwar auf eigenes Risiko möglich, setzt aber eine saubere Förderstrategie voraus.
Die wichtigsten Vorteile der Forschungszulage
Der größte Vorteil der Forschungszulage liegt in ihrer Flexibilität. Viele Entwicklungsprojekte entstehen nicht als vollständig vorab geplantes Förderprojekt, sondern entwickeln sich aus technischen Problemen, externen Anforderungen oder internen Innovationsprozessen. Genau für solche Fälle ist die Forschungszulage häufig besser geeignet.
Hinzu kommt der geringere administrative Aufwand. Der Antrag konzentriert sich im Kern auf die FuE-Abgrenzung: Was ist neu? Worin liegt das technische Risiko? Welche Unsicherheit soll überwunden werden? Wie wird planmäßig vorgegangen? Klassische Mittelabrufe, Zwischenberichte und Verwendungsnachweise wie bei ZIM gibt es nicht.
Für KMU ist außerdem relevant, dass die Forschungszulage besser skalierbar ist. Mehrere FuE-Vorhaben können parallel betrachtet und wirtschaftsjahrbezogen geltend gemacht werden. Das macht sie besonders interessant für Unternehmen, die kontinuierlich entwickeln und nicht nur ein einzelnes Leuchtturmprojekt fördern lassen möchten.
Auch beim Entwicklungsstand ist die Forschungszulage breiter einsetzbar. Sie passt zu Grundlagenforschung, industrieller Forschung und experimenteller Entwicklung. ZIM ist demgegenüber stärker auf marktorientierte Entwicklungsprojekte ausgerichtet, bei denen der Weg zu einem neuen Produkt, Verfahren oder technischen Service bereits klarer darstellbar ist.
Wo ZIM weiterhin Vorteile hat
ZIM bleibt trotzdem relevant. Der wichtigste Vorteil ist die Liquiditätswirkung während des Projekts. Fördermittel können projektbegleitend nachträglich abgerufen werden. Die Forschungszulage wirkt dagegen erst, nachdem Aufwendungen entstanden sind und die steuerliche Festsetzung erfolgt ist. Das Unternehmen muss also zunächst in Vorleistung gehen.
Ein zweiter Vorteil kann in der Kostenstruktur liegen. Die Forschungszulage ist besonders stark bei interner FuE, Personalkosten und Auftragsforschung. Material, Reisen, Prototypenteile oder sonstige Projektkosten werden dagegen nicht als eigene breite Kostenkategorie gefördert.
ZIM kann hier besser passen, wenn neben Personalkosten auch breitere projektbezogene Kosten relevant sind. Dazu können beispielsweise Drittaufträge, Prototypen, Material oder sonstige projektbezogene Aufwendungen gehören, jeweils innerhalb der geltenden ZIM-Kostenlogik und Obergrenzen.
Die Bewertung für KMU-Einzelprojekte ab 2026
Für eine erste Förderstrategie spricht ab 2026 häufig zunächst mehr für die Forschungszulage. Sie ist flexibler, schlanker, besser skalierbar und finanziell für KMU nur noch geringfügig schwächer als ZIM. Besonders bei mehreren parallelen FuE-Aktivitäten, bereits laufenden Projekten oder einem breiteren TRL-Spektrum ist sie meist der naheliegendere Einstieg.
ZIM sollte gezielt geprüft werden, wenn seine spezifischen Vorteile tatsächlich ins Gewicht fallen: bessere Liquidität während der Projektlaufzeit, eine besser passende Kostenstruktur oder ein einzelnes, klar abgegrenztes und marktnahes Entwicklungsprojekt mit überzeugender Verwertungsperspektive.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur: Welches Programm hat die höhere Förderquote? Entscheidend ist vielmehr: Welches Förderinstrument passt besser zur Projektrealität des Unternehmens?
Wo FirstBlue unterstützt
FirstBlue unterstützt KMU dabei, frühzeitig die passende Förderstrategie abzuleiten: Forschungszulage, ZIM oder eine Kombination aus beiden. Entscheidend sind dabei nicht nur Förderquote und maximale Zuschusshöhe, sondern vor allem Projektstand, Kostenstruktur, Liquiditätsbedarf, technisches Risiko und administrativer Aufwand.
Bei der Forschungszulage liegt der Fokus auf der sauberen FuE-Abgrenzung, der technischen Beschreibung für den BSFZ-Antrag und der Vorbereitung belastbarer Kosten- und Zeitnachweise. Bei ZIM unterstützt FirstBlue insbesondere bei der Ausarbeitung eines tragfähigen Projektförderantrags mit Arbeitsplan, Kostenplanung, Finanzierung sowie Markt- und Verwertungskonzept.
So entsteht keine pauschale Programmempfehlung, sondern eine belastbare Einschätzung, welches Förderinstrument zum konkreten Entwicklungsprojekt und zur Situation des Unternehmens passt.
Fazit
Für ein einzelnes KMU-Einzelprojekt ab 2026 ist die Forschungszulage häufig der bessere Ausgangspunkt. Sie bietet eine attraktive Förderquote, deutlich mehr Flexibilität, weniger Verwaltungsaufwand und eine bessere Eignung für mehrere parallele FuE-Vorhaben.
ZIM bleibt sinnvoll, aber selektiver: vor allem dann, wenn ein einzelnes marktnahes Entwicklungsprojekt vorliegt, die Liquidität während der Durchführung entscheidend ist oder die Kostenstruktur besser zum ZIM-Modell passt. Der zusätzliche Antrags- und Nachweisaufwand sollte dabei bewusst gegen den möglichen Liquiditäts- und Kostenstrukturvorteil abgewogen werden.
Im zweiten Teil dieser Reihe betrachten wir deshalb genauer, wann ZIM auch ab 2026 noch die bessere Wahl sein kann.